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9.6.2008 - Zeitreise

 
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Horst_S



Anmeldungsdatum: 07.05.2004
Beiträge: 6639
Wohnort: The Whisky Store in Seeshaupt

BeitragVerfasst am: 09.06.2008 - 09:06    Titel: 9.6.2008 - Zeitreise Antworten mit Zitat


Am Wochenende bin ich aus meinem Urlaub zurück gekommen. Ich habe mir eine Zeitreise gegönnt. Wer jetzt an eine Reise durch die Zeit denkt, liegt fast richtig. Die Zeitreisen werden von der Zeitung DIE ZEIT in Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern durchgeführt.

Meine Zeitreise fand zusammen mit dem Trekking-Spezialisten Hauser-Exkursionen statt. 11 Tage ging es so in der Zeit zurück. Und das zu Fuß! Heute bin ich groggy, 2 kg leichter und (fast) vollkommen zufrieden mit diesem anstrengenden Urlaub.

Die Reise stand unter dem Titel: 'Wilde Welt der Vulkane' und führte mit einem Flug nach Neapel. Ein süditalienische Stadt am Rande der Auslöschung. Unser Hotel befand sich im Südosten von Neapel in der Stadt Sorrento an der Amalfi-Küste. Was die Leute an dieser Gegend nur lieben? Ich weiß es nicht. Total laut, stinkende Zweitakt Roller, alles im Zerfall und nur hin und wieder ein halbwegs reparierter Palast. Der Rest befindet sich im ständigen Verfall.

Aber daran waren wir Zeitreisenden nicht wirklich interessiert. Uns trieb es zum Vesuv. Dem aktiven Vulkan oberhalb der Stadt Neapel. Das letzte Mal brach er 1944 aus, gerade als die Amerikaner in Neapel ihren ersten Brückenkopf errichteten. Viel berühmter ist jedoch der Ausbruch des Jahrs 79 nach Beginn unserer Zeitrechung, bei dem Pompeji verschüttet und erst 1700 Jahre später wieder ausgegraben wurde. Eine Wanderausstellung der benachbarten Stadt Herkulaneum hatte ich mir bereits in München angesehen. Pompeji mit dem späteren Besuch des Nationalmuseums in Neapel war ein Highlight der Reise. Und ach ja – den Vesuv haben wir natürlich auch schweißtreibend bestiegen. Der Vulkan dampfte ein wenig vor sich hin. Als wollte er sage: "Habt acht, ich lebe noch!"

Dann ging es mit der Fähre zur Insel Stromboli. Stromboli gehört zu den Äolischen Inseln. Uns begleitete ein echter Vulkanologie Professor aus Würzburg, der auf allen diesen italienischen Vulkanen viele, viele Male mit Studenten Feldarbeit gemacht hatte. Er kannte jeden Gipfel und jeden Lavastrom. Er nahm uns mit in die Millionen von Jahren Vergangenheit dieser Vulkankette nördlich von Sizilien.

Highlight der Äolischen Inseln war die Besteigung des 900m hohen Stromboli am späten Nachmittag. Nach mehreren Stunden schweißtreibenden Aufstiegs erfolgte dann die Belohnung. Rund 10 Eruptionen konnten wir von leicht erhöhter Position im Krater miterleben, während es langsam dunkel und immer spektakulärer und feuriger wurde. Dann ging es über eine Ascherutsche in Dunkelheit (Neumond) wieder mit Stirnlampe abwärts. Es war ein gigantisches Erlebnis. Da wundert es einen nicht, dass dieser ‚antike Leuchtturm des Mittelmeers’ für die Römer und Griechen der Sitz der Götter war.



Natürlich bezwangen wir noch den benachbarten Vulcano, der allen Vulkanen auf der Welt Namenspate stand. Er stank ganz furchtbar nach Schwefel, der dort für Jahrhunderte abgebaut wurde. Für unsere Vorfahren im Mittelalter waren deshalb die Vulkane die Verbindung zur Unterwelt, in der die Teufel die Menschen quälten.

Den Abschluss der Reise machte das Besteigen des Ätna auf Sizilien. Obwohl er mit 3000 Metern der Höchste der Vulkane über dem Meeresspiegel ist, erhebt er sich nur um 2000 Meter über das Bodengestein. Der Stromboli, nur 900m hoch, ist vulkantechnisch gesehen viel höher. Er erhebt sich rund 3000 Meter über dem 2000 Meter tiefen Meeresboden. Auch beim Ätna erreichten wir einen Seitenkrater und konnten Eruptionen beobachten. Einen besonderen Kitzel bereitete das Überqueren eines knapp vier Wochen alten (11. Mai 2008), großen Lavastroms. Wir ließen uns zur Beobachtung der Eruptionen auch auf ihm nieder und konnten die wohlige Wärme der bedeckten Lava noch spüren, obwohl wir uns in rund 2900m Höhe bei fröstelnden Temperaturen aufhielten.

Überraschend war die Alterszusammensetzung der kleinen Gruppe. Ich war der Jüngste – aber nicht der Fitteste Winken Der Altersdurchschnitt dürfte um 60 Jahre gelegen haben. Alle fit wie die Turnschuhe. Alter bedeutet nicht Untätigkeit und auf keinen Fall dicke Bäuche und schlaffe Muskeln. Bis auf drei oder vier bei den Abstiegen revoltierenden Kniegelenken haben alle die 2.000 Höhenmeter und die geschätzten 30 Entfernungskilometer tadellos geschafft. Der älteste Teilnehmer war dabei immerhin 70 Jahre alt.

Diese Zeitreise wird im September noch einmal wiederholt. Dabei ist die Gruppe auf 12 bis 18 Teilnehmer begrenzt. Noch gibt es ein paar freie Plätze. Auch Zeitreisen bedürfen einer Zeitplanung.


Zuletzt bearbeitet von Horst_S am 22.10.2009 - 13:30, insgesamt einmal bearbeitet
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whiskykanzler



Anmeldungsdatum: 27.09.2006
Beiträge: 2577
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 09.06.2008 - 11:16    Titel: Antworten mit Zitat

Na das war doch mal ein interessanter Bericht, bei dem es nicht um gelesene Bücher und deren Bezug zum Haus am See ging.
So etwas darf ruhig öfter mal vorkommen...!!!

_________________
CWH, wie Woodstock nur ohne Regen...
Operation ALBA, the new dimension...
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Symmachus



Anmeldungsdatum: 03.06.2007
Beiträge: 301

BeitragVerfasst am: 09.06.2008 - 18:19    Titel: Re: 9.6.2008 - Zeitreise Antworten mit Zitat

Horst_S hat Folgendes geschrieben:
Diese Zeitreise wird im September noch einmal wiederholt. Dabei ist die Gruppe auf 12 bis 18 Teilnehmer begrenzt. Noch gibt es ein paar freie Plätze. Auch Zeitreisen bedürfen einer Zeitplanung.


Ich nehme an, es ist die unter folgendem Link beschriebene Reise:
http://zeitreisen.zeit.de/pdf/Products/116-117_Italien_Vulkanismus.pdf

Sicher interessant, aber für meinen Geschmack steht da doch zu sehr die Vulkanologie im Mittelpunkt. Ich bin aber auch allgemein kein großer Freund dieser Rundreisen, bei denen man schnell durch die Altertümer gescheucht wird. Aber jedem das Seine! Winken

Gruß,

Symmachus
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Fenris



Anmeldungsdatum: 23.11.2005
Beiträge: 432

BeitragVerfasst am: 09.06.2008 - 19:21    Titel: Antworten mit Zitat

Moin,

Der Reisebericht hört sich ja echt toll an. Allerdings wäre das wohl nichts für mich, da ich 1. unter extremer Höhenangst leide und 2. im Urlaub wenn ich denn ins Ausland reisen sollte eher die Ruhe suchen würde sprich mir Museen und ähnliches ansehen wüede aber keinesfalls irgendwelche "Gewaltmärsche" unternehmen.

Gruß

Fenris
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Horst_S



Anmeldungsdatum: 07.05.2004
Beiträge: 6639
Wohnort: The Whisky Store in Seeshaupt

BeitragVerfasst am: 10.06.2008 - 07:19    Titel: Re: 9.6.2008 - Zeitreise Antworten mit Zitat

Symmachus hat Folgendes geschrieben:
Ich nehme an, es ist die unter folgendem Link beschriebene Reise:
http://zeitreisen.zeit.de/pdf/Products/116-117_Italien_Vulkanismus.pdf

Sicher interessant, aber für meinen Geschmack steht da doch zu sehr die Vulkanologie im Mittelpunkt. Ich bin aber auch allgemein kein großer Freund dieser Rundreisen, bei denen man schnell durch die Altertümer gescheucht wird. Aber jedem das Seine! Winken

Genau um diese Reise handelte es sich. Ich gebe schon zu, wir wurden ganz schön die Vulkane rauf und runter gescheucht.

Doch auch die Museen kamen nicht zu kurz. Das Nationalmuseum in Neapel, das Museum in Lipari, die Museumsstadt Pompeji und das griechische Theater in Toamina haben der Vulkanologie einen ausreichenden, kulturellen Kontrapunkt gesetzt.

Meine Kritik an der Reise?

Viel zu wenig italienischer Salat (auch gegen Mehrpreis nicht zu haben) und die Hotels nicht ganz auf dem Standard, den ich mir gewünscht hätte.

Aber so ist das nun einmal auf diesen Reisen - jeder muss verdienen. Bis auf die Hotels kann man das ja mit ein paar Zusatzausgaben auf dem Markt wieder ausgleichen. Und wenn man so richtig geschlaucht von einer Wanderung zurück kommt, so macht es auch nichts, wenn das Wasser in der Dusche einmal nur kalt kommt. Hauptsache man hat eine Dusche und das Bett ist frisch bezogen.

Gruß
Horst Lüning
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